Innere Räume entdecken und erleben

Unsere Welt wird immer schneller und lauter. Somit ist es verständlich, das als Gegenpol dazu das Bedürfnis nach Stille, Entspannung und ruhigen Klängen immer mehr zunimmt. Neben verschiedenen Entspannungstechniken für Kinder, hat sich auch die Klangpädagogik entwickelt.

Was ist nun aber Klangpädagogik? Gehört sie mehr zur Musik und Instrumentenkunde oder geht es vielmehr um eine Art Pädagogik?

Bei der Klangpädagogik geht es weniger um ein Vermitteln von Instrumentenkunde, sondern die Klanginstrumente werden vielmehr als Helfer zum Entdecken eigener Körperwahrnehmungen und innerer Räume eingesetzt.

Obertonreiche Klanginstrumente, wie sie speziell in der integrativen Klangpädagogik verwendet werden, eignen sich besonders gut dazu, innere Räume zu entdecken. Sie helfen Kindern dabei sich zu entspannen, zur Ruhe zu kommen und sich selbst besser kennen zu lernen. In der integrativen Klangpädagogik wird mit Naturtoninstrumenten gearbeitet wie z.B. der Klangschale und dem Gong. Diese Klanginstrumente sind den Klängen der Natur sehr ähnlich und haben nicht viel mit unserem westlichen Tonleitersystem zu tun. Dies ist von großem Vorteil bei Improvisationen oder verschiedenen Spielen zum Thema Entspannung und Körperwahrnehmung.

 

 

Die Klangschale: Klangschalen kommen ursprünglich aus Tibet, Indien und dem Himalajagebiet. Sie werden mit einem Klöppel angeschlagen oder mit einem Reibholz am Rand gerieben. Ihr Klang ist reich an Obertönen. So verschieden wie ihr Aussehen, die einen sind glänzend, andere matt oder schön verziert,  ist auch ihre Form und Größe. Es gibt dünnwandige und dickere Schalen. Der Klang hängt von der Form, der Stärke des Randes, sowie von der Zusammensetzung der Metalle ab. Nicht alle Schalen eignen sich für den Einsatz in der Klangpädagogik. Ihr Klang sollte rein und angenehm sein. Viele Schalen gehen schon beim Transport in den großen Containern am Schiff kaputt. Nehmen Sie sich Zeit beim Aussuchen einer Klangschale und vergewissern Sie sich, ob Sie für den therapeutischen Einsatz geeignet ist.

Der Gong: Gongs sind sehr alte Instrumente. Archäologen haben Gongs ausgegraben, deren Alter man auf fast 4000 Jahre schätzt. Sie haben ihren Ursprung im indonesisch-malaiischen Kulturkreis und verbreiteten sich über ganz Südostasien bis nach China, Tibet und Japan. Der Klang des Gongs ist sehr obertonreich und imposant. Er eignet sich neben der Klangschale sehr gut zum Einsatz von Wahrnehmungsspielen, sowie Klangreisen und weiteren Angeboten der Klangpädagogik.

Meerestrommel

Auf der Suche nach inneren Räumen

Kinder sind aktiv und wollen ihre Umwelt erkunden. Wir Erwachsene können Sie dabei begleiten und unterstützen, indem wir für sie eine Umgebung schaffen, in der sie mit allen Sinnen die Welt erleben dürfen. Mit der Klangschale und dem Gong geschieht dies vielleicht auf etwas andere Art und Weise, als wir es von unseren üblichen Alltagserfahrungen gewohnt sind. Die Kinder können manchmal die zarten Schwingungen nur wahrnehmen, wenn sie selbst etwas ruhiger werden und lauschen. Jedoch sind die Übungen und Spiele keine Tricks, die Kinder still zu bekommen. Sie sind ein Angebot, Erfahrungen zu machen, die etwas in uns entdecken lassen. Somit können wir bei der Arbeit mit Naturtoninstrumenten und deren Klängen etwas entdecken, das immer da ist, wir aber oft nicht wahrnehmen können. Niemals wird dabei die Ruhe, die Aufmerksamkeit oder das Loslassen von außen gefordert oder gar erzwungen, sondern gemeinsam gesucht und erfahren.

 

Klangpädagogische Spiele zum Aufwärmen

Setzen Sie sich mit den Kindern im Kreis auf den Boden. Öffnen Sie für ungefähr 1 Minute das Fenster. Die Kinder lauschen auf die Geräusche und Klänge die draußen zu hören sind. Anschließend teilt jedes Kind mit, was es gehört hat.

 

Wie klingt mein Körper?

Auch unser Körper klingt und macht interessante Geräusche. Die Kinder suchen sich jeweils zu zweit ein ruhiges Plätzchen im Raum. Ein Kind legt sich auf den Boden, das andere legt sein Ohr auf den Bauch des Liegenden. Ein Glucksen und Rauschen ist zu hören. Können wir auch den Atem oder den Herzschlag hören?

Jetzt sind wir bereit,  um mit den Naturtoninstrumenten zu experimentieren. Es gibt eine unglaublich große Palette von Wahrnehmungsspielen und kreativen Einsatzmöglichkeiten der obertonreichen Klanginstrumente. Eine kleine Auswahl möchte ich Ihnen vorstellen:

 

Klangschalen auflegen und anspielen

Tanja Klangmassage

Ort: Gruppenraum, Material: Klangschale und Klöppel, Alter: ab 2 Jahren

Eine Klangmassage ist eine wunderbare Möglichkeit die Klänge direkt am Körper zu spüren. Mit welchem Instrument ist dies sonst so leicht möglich? Außerdem trägt sie dazu bei, dass sich Kinder leichter entspannen können. Stellen Sie dazu eine Klangschale behutsam auf den Körper des Kindes. Schlagen Sie die Schale mit einem Klöppel am oberen Rand  an. Warten Sie, bis die Schale fast verklungen ist, erst dann wird sie erneut angespielt. Die sanfte Klangmassage wird deutlich zu spüren sein und das Kind nimmt die verschiedenen Teile seines Körpers intensiver wahr. Versuchen Sie auch einmal die Schale auf die Füße zu stellen. Immerhin tragen sie uns in unserem Leben drei Mal um den gesamten Erdball und verdienen deshalb besondere Aufmerksamkeit.  Also auflegen, anspielen und entspannen. Eine herrliche Fußklangmassage.

Kuschelklangecke

Klangzelt

Ort: Gruppenraum, Material: Klangschalen, Strandmuschel, Decken, Tücher und Pölster, Alter: ab 2 Jahren

Eine Kuschelklangecke bietet Schutz und Rückzugsmöglichkeiten. Dazu dient eine Strandmuschel, liebevoll mit Decken und Pölstern ausgestattet. Ein Kind schlüpft in die Kuschelklangecke. Legen sie ihm eine oder zwei Klangschalen auf den Bauch, den Rücken oder die Beine und lassen sie diese erklingen.

 

Ich male die Klänge

Ort: Gruppenraum, Material: Klangschalen oder Gong,  Alter: ab 4 Jahren

Die Schwingungen von Klangschalen oder Gongs können auch auf einem Blatt Papier sichtbar gemacht werden. Jedes Kind bekommt ein großes schwarzes Blatt Papier vor sich auf den Boden gelegt. Dazu verschiedene Farben von Zuckerkreiden.

Spielen Sie die Klangschale oder den Gong an und leiten Sie die Kinder wie folgt an: „Wenn dieser Klang eine Farbe hätte, welche Farbe würdest du wählen und auf dein Blatt malen. Wenn dieser Klang eine Form hätte, welche Form würde auf deinem Blatt entstehen?“

Zuckerkreiden: In einem viertel Liter Wasser 2 Esslöffel Zucker auflösen. Tafelkreiden ungefähr 10 Minuten lang in das Zuckerwasser legen, herausnehmen und abtropfen. Schon entstehen die schönsten Bilder, vor allem auf dunklem Papier.

 

Wasser in der Klangschale

Ort: Gruppenraum, Material: Klangschalen, Klangkugeln, Alter: ab 3 JahrenKlangschale

Klangschalen eignen sich besonders dazu, Schwingungen die von Instrumenten erzeugt werden, sichtbar zu machen. Dazu füllen Sie in eine Klangschale Wasser. Entweder Sie spielen die Klangschale mit einem Klöppel an oder reiben sie mit einem Reibholz am Rand entlang. Es entstehen konzentrische Kreise im Wasser. Fasziniert von diesem schönen Mandala, können die Kinder auch ihre Hand ins Wasser halten. Die Schwingungen sind deutlich zu spüren.

Wird nun auch noch Lebensmittelfarbe in das Wasser gegeben und die Klangschale fester angespielt, springt das bunte Wasser aus der Schale und es entsteht ein wunderschönes Mandala. Bitte vorher ein Blatt Papier unter die Schale stellen.

 

Die Klangschalen können aber nicht nur mit einem Klöppel zum Klingen gebracht werden. Legen Sie einen Gummiball in die Schale und kreisen sie den Ball darin. Nach einiger Zeit beginnt die Schale wie von selbst zu singen. Haben Sie keine Klangschalen zur Verfügung, probieren Sie einmal Blumentöpfe aus Ton aus. Auch sie klingen wunderschön und es ergeben sich viele Möglichkeiten kreativer klangpädagogischer Spiele.

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